Wird Amazon als erstes Lieferungen per Drohne anbieten?

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Amazon plant, das Unternehmen dahingehend zu erweitern, dass es ein eigenes Liefersystem erhält. Der Wunsch des Unternehmens, in der eigenen Wertschöpfungskette zu expandieren, ist auf gestiegene Lieferkosten und die Forderung der Kunden nach einer schnellen Auslieferung zurückzuführen. Da die Lieferkosten im ersten Quartal des letzten Jahres um über 40% angestiegen sind, erwägt das Unternehmen einen Drohnenlieferservice: Amazon Prime Air.

Der Test in einer ländlichen Ecke Englands war erfolgreich: die Drohne transportierte Popcorn und einen Fire-TV über mehrere Kilometer zu einem Bauernhaus in Cambridge. Der 13minütige Trip markiert den Start von Amazons Lieferservice in spe. Zwar liegen noch viele Herausforderungen vor dieser Innovation, so etwa die weitverbreitete Skepsis und regulatorische Hindernisse, aber der Drohnenlieferservice in einer halben Stunde ist eine aussichtsreiche Möglichkeit.

Amazons langfristige Pläne

Amanzon plant, langfristig ein eigenes Transportsystem aufzubauen, sodass es mehr Kontrolle über die Lieferung der Produkte hat. Das Unternehmen hofft, eines Tages ein ernsthafter Wettbewerber der Branchenriesen UPS und FedEx zu werden. Für bisher existierende Lieferdienste sind ländliche Gebiete eine Herausforderung, denn die Kosten steigen, je weiter die einzelnen Ziele voneinander entfernt sind. In solchen Gegenden ist die Lieferung per Drohne nicht nur effizienter; vielmehr sind sie auch am besten geeignet, um die Technologie sicher zu testen. Auch ein Transportberater bei FedEx bezeichnet Drohnenlieferung als ein aufregendes logistisches Konzept für das Land. Für eine städtische Umgebung sei es jedoch nicht geeignet. Während sich der Experte ohne Probleme die Lieferung von Medizin oder Traktorenteile in ländlichen Gegenden vorstellen kann, sind Drohnenauslieferungen in Downton-Manhattan kaum denkbar.

Herausforderungen für den Drohnenlieferservice

Drohnenlieferungen sind auch mit anderen Problemen konfrontiert. Drohnen können während des Fluges Energie verlieren oder zusammenbrechen. Ihre Flugroute kann sie in Bäume oder gar Menschen hineinfliegen lassen und so einen Absturz verursachen. Zudem besteht das Risiko, dass sie vom Boden aus abgeschossen werden oder ihre Software manipuliert wird. Derzeitige Akkus erlauben auch lediglich einen Flug von einigen Kilometern. Trotz all dieser Herausforderungen, ist es Amazon gelungen, einen ersten großen Test der Direktlieferung an den Kunden durchzuführen.

Wettbewerber im Drohnenlieferservice

Amazon ist nicht das einzige Unternehmen, das einen Drohnenlieferservice entwickeln will. Alphabet Inc., der Mutterkonzern von Google, schuf bereits 2012 eine Lieferdrohne, hat jedoch Probleme in der Entwicklung. Eine weitere, neuseeländische Firma, Flirtey Inc., startete testweise einen Lieferservice für Domino‘s Pizza, der Drohnen verwendete. In den Vereinigten Staaten hat UPS einen kommerziellen Drohnenlieferservice testweise gestartet, der Medizin und ähnliche Dinge transportiert. In Israel hat Flyt rex erst kürzlich 3 Millionen Dollar Startkapital beschafft, um mit der Entwicklung eines Drohnenlieferdienstes zu beginnen. Dazu entwickelte das Unternehmen eine Art Black Box für Drohnen, sodass Lieferungen nachverfolgt werden können. Regulierungsbehörden haben zwar jede Menge Bedenken – angefangen von der Luftraumkontrolle bis zur Sicherheit –, sind sich aber auch dessen bewusst, dass Drohnenlieferungen in jedem Fall kommen werden.

Wo Sie Amazon Prime Air finden

Amazon hat den Prime Air-Drohnenlieferdienst bereits im kleinen Format begonnen. Derzeit gibt es zwei Kunden in Großbritannien, die bei Bestellungen die Möglichkeit haben, eine Lieferung per Drohne auszuwählen. Amazon hofft, diesen noch sehr überschaubaren Kreis zunächst auf einige Dutzend, dann auf Hunderte von Käufern auszudehnen. Alle diese Kunden dürfen allerdings nur wenige Kilometer vom Logistikzentrum in Cambridge entfernt wohnen. Dort werden die Drohnen nämlich beladen und dann auf Schienen nach draußen befördert, wo sie in die Lüfte aufsteigen können. Die Lieferung, also Flug und Landung, soll nicht länger als 30 Minuten dauern. Zur Zeit können die Kunden, für die Drohnenlieferung möglich ist, an sieben Tagen die Woche Bestellungen aufgeben, jedoch nur bei Tageslicht und Wetterbedingungen, die das Fliegen von Drohnen zulassen.

Test der Lieferung an anderen Orten

Prime Air prüft andere Orte als mögliche Einsatzgebiete von Drohnenlieferungen. So testen in Österreich Wissenschaftler auf Computervision basierende „sense-and-avoid“-Technologien. Das letzte Drohnenmodell wurde gemeinsam mit Jeremy Clarkson, dem Star aus „Top Gear“ und „Grand Tour“ im Jahr 2015, während des Einkaufsfiebers zum Thanksgiving-Fest, ausprobiert. Auch wenn dies nur ein kleiner Test war, zeigt er doch, wie ernst es Amazon damit ist, neue Dienstleistungen anzubieten. In Großbritannien ist der Drohnenservice rechtlich möglich, denn das Unternehmen hat eine Genehmigung, Flüge auch jenseits der Sichtlinie durchzuführen. Um diese Erlaubnis zu erhalten, die nur für ländliche, aber nicht für städtische Gebiete gibt, mussten eine Reihe von Sicherheitsüberprüfungen mit positivem Ergebnis abgeschlossen werden.

Die Zukunft der Drohnenlieferung

Prime Air sind derzeit noch Grenzen gesetzt, wie etwa Regulierungsbehörden weltweit, die noch nicht die anzuwendenden Sicherheitsbestimmungen festgelegt haben. Diese Bestimmungen könnten die finanzielle Rentabilität von Amazons Plänen beeinträchtigen. Auch kann eine Drohne nicht besonders weit reisen, sodass Amazon seine Logistikzentren strategisch überall auf der Welt platzieren müsste, um Lieferungen ausführen zu können. Zudem kann eine Drohne nur ein bestimmtes Gewicht tragen. Mit Gewichtsbeschränkungen von etwa 2,5 Kilogramm, sind viele von Amazons Produkten schlicht nicht per Drohne auslieferbar. Obgleich der Start von Prime Air einen großen Fortschritt darstellt, werden noch viele Tests und neue Daten nötig sein, bevor feststeht, ob Amazon als erstes Unternehmen einen erfolgreichen Drohnenlieferservice etabliert.