Was geschieht mit Ihren persönlichen Daten, wenn Sie sterben?

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Angesichts der hohen Geschwindigkeit, mit der die moderne Technologie Teil unseres Lebens geworden ist, hat mittlerweile jeder einen „digitalen Fußabdruck“ im Netz hinterlassen – sei es durch Email-Konten, gespeicherte Nachrichten, Mediendownloads, Onlinebanking und so weiter. Aber was passiert mit all diesen Daten, wenn wir sterben? Wenn Sie ein Testament aufsetzen, sollten Sie dies berücksichtigen und genau ausformulieren, was mit ihrem „digitalen Leben“ geschehen soll.

Digitale Daten stellen eine einzigartig Herausforderung dar

Wenn wir sterben, gehen die uns lieb gewordenen Dinge auf andere Familienmitglieder über. All unsere weltlichen Besitztümer werden dann von anderen verwaltet, die entscheiden müssen, ob sie einen Wert besitzen oder in den Müll gehören, ob sie womöglich weitergegeben, gespendet oder weggeschmissen werden. Digitale Daten sind jedoch für diejenigen, die diese Dinge entscheiden, eine Herausforderung.

Als unsere Großeltern starben, mussten wir uns lediglich um physische Gegenstände kümmern, zum Beispiel Fotografien, Bücher und vielleicht alte Schallplatten. Heutzutage werden derartige Dinge meist digital gespeichert. Diejenigen, die sich um Ihren Nachlass kümmern, sind mit speziellen Problemen konfrontiert, wenn sie Ihre gespeicherten Schätze durchsehen müssen.

Wie können Ihre Angehörigen die Daten finden?

Das erste, worüber Ihre Familie nachdenken muss, ist die Frage, welche und wie viele Daten von Ihnen im Internet vorhanden sind. Dies herauszufinden ist komplizierter, als jedes Zimmer, jeden Schrank und jede Schublade Ihrer Wohnung durchzusehen und Ihren Besitz einzusammeln. Es ist nämlich durchaus möglich, dass Ihre Angehörigen keine Ahnung haben, was Sie all die Jahre an Ihrem Computer gemacht und wie viele Daten Sie gespeichert oder versteckt haben.

Als erster sollten sich Ihre Nachlassverwalter die Festplatte Ihres Computers, Ihr Handy und andere Geräte, die Sie regelmäßig genutzt haben, ansehen. Zwar ist zu hoffen, dass sie in der Lage sind, alle von Ihnen durchgeführten Aktionen nachzuvollziehen, indem sie diese Geräte durchgehen, aber eine Garantie dafür besteht nicht. Wenn Sie komplexere Daten besitzen, die auf Ihren Geräten nicht gefunden werden können, ist das etwa so, als hätten Sie einen geheimen Safe, von dessen Existen niemand außer Ihnen weiß.

Wie können Ihre Angehörigen auf die Daten zugreifen?

Wenn es Ihrer Familie gelungen ist, genau festzustellen, wo Ihre digitalen Daten sind, muss sie einen Weg finden, auf diese Daten zuzugreifen. Sie können Ihr Email-Passwort und Ihre Email-Adresse jemandem anvertrauen, der dann fast alle Ihre Passwörter ändern kann. Wenn Sie allerdings Ihren Computer oder andere Geräte mit einem Passwort gesichert haben, wird niemand in der Lage sein, darauf zuzugreifen und die dort gespeicherten Daten zu sichern. Vielleicht sind Ihre Angehörigen in der Lage, die Verschlüsselung zu umgehen oder bezahlen jemanden dafür, aber dass das funktionieren wird ist alles andere als sicher.

Sind Ihre Angehörigen die Eigentümer der Daten?

Nehmen wir an, Ihren Angehörigen ist es gelungen, alle Ihre digitalen Spuren zu verfolgen und auf Ihre Daten zuzugreifen: Sind sie auch deren gesetzliche Eigentümer? Als Sie Großmutters Vinylplatte gefunden hatten, hielten Sie einen greifbaren Gegenstand in der Hand. Die Musik auf der Schallplatte unterlag zwar dem Urheberrecht, aber die Platte selbst gehörte Ihnen und Sie konnten damit machen, was Sie wollten, ohne juristische Konsequenzen fürchten zu müssen. Bei von Amazon oder iTunes heruntergeladene Alben liegt die Sache anders. Sie sind nicht der Eigentümer irgendeines Gegenstandes, sondern haben lediglich eine Lizenz gekauft, um auf den Inhalt zuzugreifen. Technisch gesehen, und möglicherweise auch aus juristischer Sicht, läuft diese Lizenz aus, wenn Sie nicht mehr da sind. Der Gedanke, dass all der Content, den Sie über lange Zeit angesammelt haben, einfach verschwindet, mag traurig sein, aber so ist es.

Ihre Accounts in Sozialen Netzwerken

Haben Sie jemals darüber nachgedacht, was aus Ihren Profilen in den Sozialen Medien wird, wenn Sie sterben? Wahrscheinlich sind diese nicht wichtig genug, um sie im Testament zu erwähnen, da sie keinen monetären Wert besitzen. Dabei haben sie durchaus einen sentimentalen Wert. Die Gesetze über „Onlinebesitz“ sind noch immer sehr vage und Ihre Angehörigen werden Ihre Accounts nur dann „erben“ können, wenn Sie ihnen vorher Ihr Passwort gegeben haben.

Eine Social Media-Plattform, die das Thema sehr ernst nimmt, ist Facebook. In Großbritannien ist es den Testamentsvollstreckern gestattet, zu verlangen, dass das Profil gelöscht oder archiviert wird. Archivierung bedeutet, dass von Ihnen vor Ihrem Tod hinzugefügte Freunde und Familienmitgliedern in Erinnerung an Sie weiterhin Posts hinterlassen können. Löschung und Archivierung können aber nur dann abgeschlossen werden, wenn ein Nachweis des Todes vorliegt. In den Vereinigten Staaten testet Facebook derzeit ein Feature, dass es den Nutzern ermöglicht, auszuwählen, was nach ihrem Tod mit dem Account geschehen soll. Selbst wenn ein Facebook-Konto gelöscht wird, wird jeder einzelne Upload und jeder einzelne Post in einem Archiv gespeichert. Verwandte können darauf jedoch nicht zugreifen – nicht einmal dann, wenn sie einen Erbschein oder ein Testamentsvollstreckerzeugnis vorlegen.

Twitters Richtlinien sind denen von Facebook sehr ähnlich und so wird ein Account deaktiviert, sobald der Testamentsvollstrecker einen Totenschein vorlegt. Google dagegen behandelt jeden Einzelfall anders. Das Unternehmen bietet eine Vielzahl von Diensten an, auf die mit einem einzigen Account zugegriffen werden kann, die aber im Falle eines Todes unterschiedlich behandelt werden. Am besten ist es wohl, Informationen darüber, wie nach Ihrem Tod damit umgegangen werden soll, zurückzulassen.

Wie Sie Ihre digitalen Daten vorbereiten

Es ist möglich, sich darauf vorzubereiten, was mit den eigenen digitalen Daten geschehen soll. Um die Weitergabe der Daten nach Ihrem Tod so einfach wie möglich zu gestalten, müssen Sie sich dessen bewusst werden, was Sie alles ansammeln. Der erste Schritt besteht darin, Aufzeichnungen darüber zu führen, was Sie besitzen und wo es gelagert ist. Es wäre wohl am hilfreichsten, diese Informationen in Ihr Testament hineinzuschreiben, aber dann können Sie sie nur schwer wieder ändern. Ihre digitalen Daten hingegen werden weiter wachsen und sich ändern, und Sie möchten sicherlich nicht jedes Mal, wenn das passiert, Ihr Testament ändern müssen. Stattdessen sollten Sie eine Alternative finden, um diese Informationen so zu lagern, dass Sie sie einfach modifizieren können.

Ihre Herausforderung besteht darin, diese Informationen so aufzubewahren, dass sie privat bleiben, während Sie leben, nach Ihrem Tod jedoch auffindbar sind. Experten raten dazu, eine Vertrauensperson zu wählen, und für sie eine Liste zu erstellen, die alle Konten und Passwörter sowie klare Anweisungen, wie mit jedem Account verfahren werden soll, enthält.

Ihr digitaler Fußabdruck erhält möglicherweise auch mehr als nur aus sentimentalen Gründen wertvolles Material. Es ist daher sehr wichtig, dass Sie für Ihre digitalen Güter genauso Vorkehrungen treffen wie für Ihren physischen Besitz. Erleichtern Sie es Ihren Angehörigen, Ihr digitales Erbe zu verwalten und stellen Sie so sicher, dass Ihre Wünsche respektiert werden.